Pressemitteilung VSR-Gewässerschutz e.V.: Nitrat im Wasser: Wie stark ist die Werra im Wartburgkreis belastet?

Krayenberggemeinde, den 01.​10.​2026

Vielen ist der VSR-Gewässerschutz im Wartburgkreis von den Informationsständen bekannt, an denen jeder sein Brunnenwasser mitbringen und analysieren lassen kann. Hier erfahren die Brunnenbesitzer, ob ihr Brunnenwasser mit Nitraten belastet ist. Die Nitratbelastung im Grundwasser stellt allerdings nicht nur bei der Verwendung des Wassers ein Problem dar, sondern auch in der Werra und ihren Nebenflüssen. Die Nitrate werden weiter in die Weser transportiert und von dort in die Nordsee. Der VSR-Gewässerschutz führte im November 2025 eine Messfahrt an der Werra von Meiningen bis Hann. Münden zur Vereinigung in die Weser durch. Es zeigt sich, dass die Nitratbelastung dringend verringert werden muss um die Artenvielfalt zu fördern. 

 

Im Wartburgkreis war Matthias Ahlbrecht für den VSR-Gewässerschutz unterwegs. Er beprobte als erstes in Bad Salzungen die Werra und ermittelte 15,6 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat. Weiter ging es flussabwärts. „Ich stellte fest, dass die Öchse in Vacha mit 14,4 mg/l Nitrat etwas geringer belastet ist. Die Werra in Gerstungen war mit 15,9 mg/l belastet. In der durch den Ortsteil Lauchröden fließende Elte fand ich 16,5 mg/l Nitrat. Die Hörsel in Eisenach-Hörschel wies eine Nitratbelastung von 12,6 mg/l auf. Die Werra in Amt Creuzburg war mit 15,5 mg/l Nitrat belastet. In Treffurt ermittelten wir bei der Werra einen Nitratwert von 14,9 mg/l. Der Holunderbach zwischen Treffurt und Großburschla wies mit 27,3 mg/l die höchste Nitratbelastung in diesem Kreis auf“, erklärt Matthias Ahlbrecht.

 

Nach der Oberflächengewässerverordnung soll die Weser in Bremen die Stickstoffkonzentration von 2,8 mg/l nicht überschreiten. „Dies entspricht einem Nitratwert von 12,3 mg/l. Leider haben wir in Bremen am Weserwehr 16,3 mg/l gemessen. Um die Nitratkonzentration hier zu senken, sollten an allen Quell- und Nebenflüssen dieserZielwert eingehalten werden“, erklärt Harald Gülzow, der schon seit 40 Jahren für den VSR-Gewässerschutz Messfahrten an den Flüssen durchführt. Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass die Nitratbelastung in der Werra dringend verringert werden muss. Die Oberflächengewässerverordnung dient zum Schutz der Flüsse und Bäche. Die Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme in den Flussgebieten richten sich zum Schutz der Meeresgewässer an dem Ziel aus, dass die in die Nordsee mündenden Flüsse den Grenzwert nicht überschreiten. „Zu viel Nitrat im Wasser fördert das Algenwachstum. Nach dem Absterben zersetzen Bakterien die Algen. Dieser Prozess benötigt Sauerstoff. Tiere können dann nicht mehr in diesem Wasser leben. Sogenannte Todeszonen entstehen. Es kommt zum Verlust der Artenvielfalt in der Nordsee,“ betont Harald Gülzow. Mit den Messfahrten soll dazu beigetragen werden, dass sich die Nitrateinträge in die Nordsee verringern. 

 

Der VSR-Gewässerschutz sieht eine der großen Ursachen der Belastung der Werra im zusickernden Grundwasser. „Zusammen mit den Drainagen von den Feldern machen diese diffusen Einträge 87 % der gesamten Nitrateinträge im Wesereinzugsgebiet aus,“ erklärt Harald Gülzow. Auch im Wartburgkreis ist das Grundwasser zu stark mit Nitraten belastet. Durch die Hilfe von zahlreichen Brunnenbesitzern konnte die gemeinnützige Organisation einen Überblick über die Grundwasserbelastung gewinnen. „Der VSR-Gewässerschutz stellte bei den Brunnenwasser-Analysen im Wartburgkreis von 2019 bis 2024 fest: 28,6 % der Brunnenwasserproben überschreiten erschreckenderweise den Grenzwert der Nitratrichtlinie von 50 mg/l Nitrat. Besonders schockierend ist, dass 5,7 % der Brunnen sogar über 100 mg/l Nitrat liegen. Die Nitratbelastung im Grundwasser sinkt trotz vieler Auflagen zur Düngemenge und Düngezeitpunkt nicht so wie gehofft“, erklärt Harald Gülzow.

 

„Nur 13 % der Stickstoffeinträge im Wesereinzugsgebiet stammen aus Punktquellen. Das sind Belastungen aus Abwasser von Industrie und kommunalen Kläranlagen, die direkt in ein Gewässer eingeleitet werden“, erklärt Harald Gülzow.

 

Über den VSR-Gewässerschutz e.V. 

 

Der VSR-Gewässerschutz wurde 1980 als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen gegründet und engagiert sich für den Schutz des Grundwassers und der Gewässer, sowie der Verbesserung der Wasserqualität. Die gemeinnützige Organisation führt Untersuchungen von Grundwasser und Fließgewässern durch. Die Beprobung von Flüssen und Bächen kann der VSR-Gewässerschutz selbst durchführen. Bei den Wasserproben vom Grundwasser ist der Verein jedoch auf die Mithilfe von Brunnenbesitzern angewiesen. 

 

Geldern, im September 2026

 

Harald Gülzow, Pressesprecher