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Kieselbach

Kieselbach

 

Der Ortsteil Kieselbach, mit seinen 1473 Einwohnern (Stand 20.10.2015) liegt 239,5 m über dem Meeresspiegel, am Fuße des Krayenbergs, einem nordwestlichen Ausläufer des Thüringer Waldes.

Der genaue zeitliche Ursprung des Ortes ist kaum noch aufzudecken, allerdings lässt seine Lage im fruchtbaren Werratal auf eine uralte vorgeschichtliche Siedlung schließen. Es kann angenommen werden, dass diese Gegend bereits in der jüngeren Steinzeit, also schon um 2000 v. u. Z. besiedelt war.

Nicht nur die unmittelbare Nähe zur Krayenburg, die als Burgfeste bereits im 8. Jahrhundert bestand, sondern auch die wissenschaftlich erforschte Einteilung der Ortsnamen mit den Endungen -au, -born, -bach und -berg lassen die Anlage des Ortes Kieselbach, das in alten Urkunden oft als „Kyßilnbach“ geschrieben wurde, schon um das Jahr 800 n. u. Z. vermuten.

Am 18. Juni 1155 wurde der Ort Kieselbach erstmals erwähnt. Aus der Urkunde des Staatsarchivs in Marburg geht hervor, dass der Landgraf Ludwig II. von Thüringen das Vogteirecht über Kieselbach an den Abt Willibald von Hersfeld überträgt.

Im Jahre 1330 wurden Ludwig und Sybotho von Frankenstein als Besitzer eines lehnsfreien Gutes in „mittilnKysilnbach“ (Mittelkieselbach) erwähnt.

Anfang des 15. Jahrhunderts besaßen die Herren von Bernshausen und von Heringen Güter in Kieselbach. Diese wurden in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts an den Ritter Johann Meisenbugh übergeben bzw. 1448 an den Lehnsträger der Krayenburg, dem hessischen Erbmarschall Hermann von Riedesel, verkauft. Am 18. März 1449 übereignete dann Herzog Wilhelm von Sachsen dem Ritter von Riedesel das Thalhausgut in Kieselbach. 1516 übernahm Adam von Beichlingen deren Besitzungen in Kieselbach.

Die heute denkmalgeschützte Kirche von Kieselbach wurde 1551 zum ersten Mal erwähnt. Eine der Glocken trägt die Jahreszahl 1462. Diese Glocke wurde wahrscheinlich von der verbürgten Kapelle auf der Krayenburg in die Kirche überführt.

 

Während des Bauernkriegs 1525 gehörten auch Kieselbacher dem sogenannten „Werrahaufen“ an. Nach der Niederlage bei Frankenhausen entgingen diese einer Bestrafung nur dadurch, dass sie sich im Tiefenorter Wald längere Zeit verbargen.

1533 wird das heutige Landhotel „Zur Krone“ wird zum ersten Male als Schankstätte erwähnt. Der Gasthof zählt neben dem Fachwerkhaus in der Friedrich-Engels-Straße 3, zu den ältesten, heute noch erhaltenen, Häusern in Kieselbach.

 

Urkundlich ist belegt, dass Graf Adam von Beichlingen während seiner Amtszeit 1535 bis 1538 in Kieselbach ein Zeughaus und eine Richtstätte, die heutige Dorflinde, erbauen und ein Halseisen anbringen ließ. Die „Linde“ wird in verschiedenen Schriften wie folgt beschrieben: „…bietet eins der landschaftlich fesselndsten Beispiele der Dorflinden dieser Gegend.“ bzw. „…einer der ansprechendsten Dorfplätze in Mitteldeutschland!“ Nach einer Komplettsanierung konnte die „Linde“, im Jahre 2009, wieder von der Bevölkerung in Besitz genommen werden.

 

Ausgang des 16. Jahrhunderts erhält der Ort, als Marktflecken, die Marktfreiheit. Diese wird 1694 durch Herzog Joh. Georg wieder erneuert.

 

Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 wurde Kieselbach stark in Mitleidenschaft gezogen. 1625 zog der kaiserliche General Wallenstein mit 25000 Soldaten durch Kieselbach. 1629 war es General Tilly mit seinen Truppen. Zwei Jahre später marschierte der kaiserliche Obrist Colloredo durch Kieselbach und schließlich fielen 1634 die Kroaten ein. Während des Krieges, im Jahre 1631, wurden unter der Dorflinde an einem Tag zwei Männer und eine Frau aus Tiefenort wegen Mordes durch den Scharfrichter Hans Schwerdt aus Eisenach hingerichtet.

 

1671 bildeten die Ämter Salzungen und Creyenburg eine Compagnie Soldaten, die sogenannte Landwehr, welche unter der Führung des Kieselbacher Hauptmanns Daniel Schrumpf stand. Kieselbach musste dazu „2 Officiere, 2 Furir - Schützen, 1 Trommelschläger und Pfeiffer und 29 Gemeinne Soldaten“ stellen.

 

Eine genaue Auflistung des „Inventars“ von Kieselbach wurde in den „Amtsbeschreibungen des Amtes Cryenberg“ von 1671 und 1781vorgenommen.

 

Auch im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 zwischen Preußen und Österreich leidet Kieselbach erneut. In seinem Verlaufe zogen mehrere Male fremde Truppen durch Kieselbach und forderten Obdach, Fourage (Verpflegung), Pferde und Kontributionen (Abgaben).

 

Gleiches passierte 50 Jahre später wieder. Ab 1806 durchzogen unaufhörlich französische Soldaten den Ort. Sie nahmen der Bevölkerung die Lebensmittelvorräte und zwangen die wenigen  Pferdebesitzer zu Spanndiensten. Die Kirche wurde zum Gefangenenlager für preußische Soldaten. Die schlimmsten Verwüstungen richteten die Franzosen bei ihrem Rückzug von der Völkerschlacht bei Leipzig an. 58 französische Soldaten wurden am Ausgang des Dorfes begraben.

 

Etwa 1846 bis 1865 wanderten viele Kieselbacher Infolge der Not nach Amerika aus. Die Gesamtzahl der Kieselbache Auswanderer lag bei 194 Personen, davon 60 Männer, 47 Frauen und 87 Kinder.  Nach 1870 verdingten sich wiederum viele Kieselbacher Männer als Arbeitskräfte im aufblühenden Steinkohlenbergbau in Westfalen. Erst mit dem Aufschwung der Kaliindustrie in unserer Gegend kehrten sie wieder zurück.

 

Kriege waren es immer wieder, die Kieselbach in Mitleidenschaft zogen. So fielen im Deutsch - Französischen Krieg 1870/71 von 14 Kriegsteilnehmern zwei, im 1. Weltkrieg 1914 bis 1918 zählte man 37 und im 2. Weltkrieg 1939 bis 1945 bereits 112 Tote.

 

1908 wurde im Ort eine „Konsumgenossenschaft“ ins Leben gerufen. Anfangs wurden die Waren von den Mitgliedern des Konsums mit Schubkarren oder Handwagen vom Bahnhof in Dorndorf geholt, später mit einem eigens dafür angeschafften Lastkraftwagen.

 

In den Jahren 1911/12 wurde gemeinsam mit den Gemeinden Tiefenort und Merkers ein Wasserversorgungsverband gebildet und eine Wasserleitung vom Dietrichsberg bei Völkershausen gebaut. 1916 begann die Stromversorgung des Ortes. Kieselbach bezog damals seinen ersten Strom von der „Gewerkschaft Heiligenroda“, dem Kaliwerk in Dorndorf.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde 1945 die Gemeindeverwaltung wieder aufgebaut und in den Kalischächten begann zögernd wieder die Produktion von Kalisalz.

 

Als im Herbst 1989 die politische Wende eingeleitet wurde, fand am 06. November in der Kirche in Kieselbach eine Einwohnerversammlung statt. Initiatoren waren das „Neues Forum“ und der Kieselbache Pfarrer Michael Wagner.

 

Am 06. Mai 1990 fand auch in Kieselbach die erste freie Wahl einer Gemeindevertretung statt. Wahlberechtigt waren 1317 Bürgerinnen und Bürger. Die Wahlbeteiligung lag bei 88,23 %. Die „Bürgerinitiative“ erzielte mit 54,68 % eine überwältigende Mehrheit.

 

Am 02. Oktober 1990 empfingen die Kieselbacher, anlässlich des „Tages der deutschen Einheit“, Gäste aus der Partnergemeinde Niederaula. Die Bürgermeister Kurt Nehrig (Kieselbach) und Valentin Stang (Niederaula) pflanzten „auf der Pfütze“ eine „Einheitslinde“.

 

Ende April 1992 gründete sich der „Country-Club-Kieselbach“. In den folgenden Jahren baute der Club in unzähligen Arbeitsstunden einen alten Steinbruch auf der Trift zu seinem Vereinsdomizil, dem „Canyon“, aus. Die Veranstaltungen in diesem „Schmuckstück“ machten Kieselbach in der Szene landesweit bekannt.

 

Am Mittwoch, dem 29.12.1993 unterzeichneten die Bürgermeister Manfred Grob (Kieselbach) und Wolfgang Wollny (Merkers) den Vertrag über die Einheitsgemeinde Merkers - Kieselbach damit verlor Kieselbach seine Selbstständigkeit als Gemeinde.

Schließlich ging diese Einheitsgemeinde gemeinsam mit Dorndorf und seinen Ortsteilen ab dem 31.12.2013 in der neugegründeten „Krayenberggemeinde“ auf.

 

Text: Peter Zinke, OT Kieselbach